leverkusener jazztage

Kopfarbeit

Bill Evans Group

Bill Evans: sax, Adam Rodgers: guit, Arto Tuncboyacian: perc, voc, Henry Hey: key, Lionel Cordew: dr, t.b.a.: b, Jim Beard: p, synth

Der 39-jährige Saxophonist und Ex-Miles-Davis-Sideman Bill Evans kommt für ein einziges Konzert nach Deutschland. Diesmal jedoch nicht mit seinem erfolgreichen Projekt Push aus der ersten Hälfter der 90er Jahre, jener stilistisch eigen eingefärbten, urbanen Fusion von HipHop, Jazz und Funk, sondern melodisch sanft und harmonisch geläutert. evans Geblieben ist der stets filigran klingende und fast aristokratische Ton seines Sopransaxophons. Geblieben ist aber auch sein angerauhter, meist aufgeregt und nachdrücklich fordernder Ton auf dem Tenorhorn. Beide stehen jedoch in der von Jim Beard produzierten neuen CD, "Starfish & The Moon" (Escapade/EFA), im Zeichen eines poetischen Erzählens. Um das Bild auf die Spitze zu treiben, könnte man dem Sopran den lyrischen, dem Tenor den dramatischen Part zuordnen. Trotz mancher, behutsam eingesetzter Synthesizer-Klänge kommen den Saxophonen mit einem Kontrabaß, akustischer Gitarre, Klavier und Hammond-Orgel wieder Instrumente zum Einsatz, die gespielt und nicht programmiert werden: Echte Klangfarben treten an die Stelle aseptischer Computersounds. "Ich stehe gerade erst am Anfang", gab er einst während seiner Push-Zeit zu Protokoll. "Ich versuche es seit zehn Jahren und ich versuche es immer noch. Wenn du älter wirst, solltest du schon eine Idee haben, was du willst. Vielleicht ist das auch nur eine Sache in meinem Kopf, wie ich etwas haben möchte. Und dann kommt es doch ganz anders." Mit anderen Worten: Bill Evans ist wieder einmal zu neuen Ufern aufgebrochen.

15.10. Forum, 19:30; Escapade Night