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It Ain´t Necessarily So
Joe Henderson: Porgy And Bess, 100 Years Gershwin
"Würde man Musikern Noten vorsetzen, ihnen nichts über die Kategorie, sondern nur etwas über das Tempo erzählten und dann einfach anzählen, würden sie vielleicht auf einmal eine Musik mögen, die sie vorher nur wegen ihrer Kategorie niemals gespielt hätten" (Jazz thing Nr. 8). Das sagt der Tenorsaxophonist Joe Henderson, der sich in seiner gesamten Karriere jedem Versuch einer Kategorisierung widersetzt hat. Obwohl er bereits einige Zeit vor John Coltrane durch Überblasen in den Obertonbereich vorstieß, blieb er dem Straigh-Ahead-Jazz verpflichtet, der durch seine sehr persönliche, dabei völlig unprätentiöse Note gleichsam geadelt wurde. Doch erst als Mittfünfziger nahm das Publikum Notiz von Joe Henderson, als er 1991 sein Billy Strayhorn gewidmetes Album "Lush Life" (Verve/Motor) veröffentlichte, für das er prompt einen Grammy erhielt. Sein jüngstes Projekt, "Porgy & Bess" (Verve/Motor), ist eine Hommage an einen der wichtigsten Komponisten der Neuen Welt: George Gershwin hätte im kommenden Jahr seinen 100sten Geburtstag feiern können. Bei uns ist der 1898 in Brooklyn geborene und 1937 in Hollywood gestorbene Komponist vor allem bekannt durch seine Ragtime-, Gospel-, Blues- und Swing-Elementen verpflichtete, 1935 uraufgeführte Oper "Porgy And Bess". Joe Henderson trägt bei seiner Hommage dem Umstand Rechnung, daß Gershwin ein bedeutender Songwriter gewesen ist - wer kennt nicht sein herrlich bluesiges und ins Jazz-Standard-Repertoire aufgenommene "The Man I Love"? So sind auch in "Porgy And Bess" Songs hineingeschrieben, die ihre "Blue Notes" nirgends verleugnen. Diese Songs stehen im Mittelpunkt von Joe Hendersons "Porgy And Bess"-Version, für die er Dave Holland, Jack deJohnette und John Scofield verplichtet hat, und auf welcher neben Chaka Khan mit "Summertime" niemand geringer als Sting mit Sporting Lifes nihilistischem Credo zu hören ist: "De t'ings dat yo' li'able - To read in de Bible - It ain't necessarily so". Das ist wie mit jenen Kategorien, die Joe Henderson hinter sich lassen will, um sich "mehr in eine unbeschreibbare Richtung zu bewegen".
Verve Night, Forum, 17.10. 19:30
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