|
Dame Abbey!
Abbey Lincoln Quintet
Hand auf´s Herz: Kein Instrument ist problematischer als die menschliche Stimme. Nirgendwo anders ist die Gratwanderung zwischen authentischer Offenheit und narzistischer Prostitution so kompliziert und zugleich so gefährlich wie bei den Mitteln des verbal-stimmlichen Ausdrucks. Vor genau 10 Jahren erschienen zwei Live-CDs von Abbey Lincoln, "Abbey Sings Billie" (Enja/BISS): Ein derartiges Versprechen birgt die Gefahr einer Festlegung. Im Falle der 1930 in Chidago geborenen Sängerin indes verhält es sich aber vollkommen anderes: Hier interpretiert eine lebenserfahrene Künstlerin souverän die Songs einer Gefährtin und findet zusätzlich noch einen eigenständigen Ausdruck. Was sie vor allem auszeichnet, ist das Unspektakuläre - stimmliche Virtuosität liegt ihr ebenso wenig wie intellektuelles Durchdringen. Während sie singt, stellt sich das inzwischen rar gewordene intensive Gefühl von Wahrhaftigkeit ein. "Who Used To Dance" (Verve/Motor) heißt ihre vor kurzem erschienene CD, auf der neben ihrer jungen Rhythmusgruppe aus Marc Cary am Piano, Michael Bowie am Baß und Aaron Walker am Schlagzeug mit Steve Coleman, Oliver Lake und Frank Morgan gleich eine ganze Reihe hervorragender Saxophonisten zu hören ist. "Love walked away and I - walked away with love" heißt es im Refrain in der Abbey-Lincoln-Komposition "Love Has Gone Away", die ihr aktuelles Album eröffnet: Einfühlsamer läßt sich das Ende einer Liebe nicht beschreiben, unprätentiöser kaum interpretieren. Welch´ eine Frau!
Verve Night, Forum, 17.10. 19:30
|