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Eine Menge Hürden mußten genommen werden.
In der Schule lauerten Drogen - und Lehrkörper, die das Drogennehmen verhindern wollten. In der sauknapp bemessenen Freizeit wurde man zu allerlei Frondiensten im Haushalt gezwungen: "Räum dein Zimmer auf!"

Das Spektrum der Qualen reichte von einfachen Handreichungen bei der Raumpflege bis zur Teilversklavung als Hilfsgärtner auf den elterlichen Latifundien, so sie welche besaßen. Schlimmstenfalls endete die Karriere des jugendlichen Rebells in einem Sportverein oder einer

Jugendgruppe, überwacht von einfältigen Spitzeln mit hassenswerten Haarlängen. Je freiwilliger die Anpassung erfolgte oder je schlechter die Ausreden wurden, desto wohlwollender betrachteten einen die Erwachsenen.
Aber diese Unbillen ließen sich mit heimlich gerauchten

Zigaretten auf dem Schulklo noch ertragen. Umso schwieriger gestaltete sich das Überwinden der brennenden Fußmatte an der Schwelle zur Erwachsenenwelt: Die erste Liebe! Schlagartig wurden Ansichten, die bis dahin Gesetzesstatus hatten und als wichtige Ordnung im Alltag

dienten, völlig wertlos. Beispielsweise "Mädchen sind doof!" Damit konnte man auf dem Schulhof plötzlich nur noch mitleidiges Lächeln statt breiter Zustimmung ernten. Alles war mit einem Mal anders. Und alle waren völlig verwirrt. Die Mädchen sahen zwar so aus, als ob sie mehr Durchblick

hätten. Aber konnte man das wissen? Man konnte ja nicht mit ihnen reden. Schon weil der beginnende Bariton jedesmal in einem schrillen Falsett unterging. Überhaupt kontrollierten die Jungs in aberwitzig kurzen Intervallen ihre sekundären Geschlechtsmerkmale.

Doch statt üppiger Haarpracht blühten in manchen Gesichtern lediglich die Pickel. Stolz erhoben sich deren Kegel über dem glatten Kinn, und die Gipfel leuchteten majestätisch wie der Fujiama im Abendlicht. Man wollte nicht hinaus. Aber man(n) mußte. Der Trieb rief.

Bleiben wir im Bild und beobachten, wie sich der Heranwachsende noch recht unbeholfen dem obskuren Objekt der Begierde nähert. Oft lungert er sogar stundenlang irgendwo herum, an Plätzen, die eigentlich stinklangweilig sind, Bushaltestellen zum Beispiel.

Spöttische Blicke entgehen ihm, denn er denkt, daß niemand sein Anliegen durchschauen wird. Irgendwann betritt die Angebetete die Szene, und der Heranwachsende richtet sichtlich erregt das Wort an sie: "Ha dzk drr bn obn br buß bum ha haha hihihi lilili leiomen." Kurze Pause.

 

Einen Augenblick steht die Zeit still. Dann wendet sie sich von ihm ab und ihrem Bravo-Starschnitt zu. Er ist nun dazu verdammt, Platten zu sammeln und später vielleicht Popstar zu werden.

Übrigens - niemand Geringerer als Richard Huelsenbeck hat diesen denkwürdigen Satz in seinem Gedicht Chorus sanctus verarbeitet. Wir werden vielleicht sogar die DADA-Geschichte neu schreiben müssen. Wie auch immer Sie inzwischen zur ersten Liebe und ihren Umständen stehen mögen, - ob Sie sie als Peinlichkeit oder Banalität oder als süße Sache betrachten: Halten Sie Ihre Ohren dicht an diese Pips-Box, und Sie hören das Herzblut rauschen.


Herzlichst

Alexander Swirl, PIPS-DADA-CORPORATION



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